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Wetterschlacht in der Türkei

Die EPD Tour startete in diesem Jahr in der Türkei. Vier Turniere standen auf dem Programm, den Abschluss bildete die Lykia Links Classic auf dem einzigen Links-Platz am gesamten Mittelmeer. Golfen im Club war für Sie live dabei.
Es hätte so schön sein können, doch die ersten drei Wochen in der Türkei bereiteten den Organisatoren großes Kopfzerbrechen. Regen, Wind und Frost standen auf der Tagesordnung und alle hofften, dass es beim Abschlussturnier im Lykia Golf Resort bei Belek besser wird. Doch die Hoffnungen wurden von den himmlischen Elementen jäh zerstört. Am Sonntag vor dem Turnier konnten gerade einmal vier Stunden trainiert werden. Dann brach der Himmel über der türkischen Riviera regelrecht ein. An Golfspielen war nicht mehr zu denken. 127 Liter (!) Wasser pro Quadratmeter ergossen sich innerhalb von 24 Stunden über die Golfanlage und Orkanböen mit Geschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern fegten über den Platz. An eine Proberunde war am Montag nicht zu denken. Keiner glaubte zu diesem Zeitpunkt daran, dass im Lykia Golf Resort in den nächsten Tagen überhaupt an Golf zu denken ist. Jedoch hörte der Regen in der Nacht zum Dienstag auf und der Wind verlangsamte seine Geschwindigkeit auf etwa 40 km/h, in Böen etwas höher. Mit einstündiger Verspätung konnte die Lykia Links Classic gestartet werden, dank der hervorragenden Arbeit des Greenkeeper-Teams und unter Mithilfe des Turnierdirektors Kariem Baraka und seinem Team. Der Platz präsentierte sich in einem für die Verhältnisse sehr gutem Zustand. Zwar mussten einige Löcher aufgrund von Wasserpfützen auf den Fairways etwas verkürzt werden, aber bei einer Gesamtlänge des Platzes von etwas über 6.900 m tat dies der Herausforderung, denen sich die Spieler gegenüber sahen, keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Ergebnisse waren viel besser als erwartet. Da es fast bis Spielende trocken blieb brachte Max Kramer das beste Ergebnis ins Clubhaus. Auf seiner Scorekarte stand eine 68 (-4) und dies war gleichzeitig die Führung. Nur einen Schlag dahinter platzierten sich Benjamin Ludwig und Andreas Hogberg, beide notierten eine 69 (-3). Auf Platz vier mit 70 Schlägen (-2) Christoph Günther und den fünften Platz teilen sich sechs Spieler die mit 71 Schlägen (-1) ins Clubhaus kamen, darunter auch Marcel Haremza. Der zweite Tag stand unter dem Motto: ?...und ewig grüßt der Regengott?. Während des gesamten Tages fiel ein stetiger Landregen, allerdings hatte der Wind im Gegensatz zum Auftakttag stark nachgelassen. Aufgrund dieser widrigen Bedingungen dauerte die Golfrunde für die Profis, die in Dreiergruppen spielten, bis zu 6, 5 Stunden (!). Trotzdem wurden auch am zweiten Tag wieder hervorragende Ergebnisse ins Clubhaus gebracht. Allen voran der 26jährige Frankfurter Max Kramer, er spielte, trotz Bänderriss, nach der 68 am ersten Tag eine 70 (-2) und führte damit klar das Leaderboard an. ?Ich kann mir keine Pause erlauben, denn mein Ziel ist es, mir in diesem Jahr die Challenge Tourkarte zu erspielen und diese bekommt man nur, wenn man sich am Ende der Saison unter den ersten fünf der Moneylist befindet,? so Kramer. Auf Platz zwei, mit drei Schlägen Rückstand, spielte sich der Ire Stephen Grant mit Runden von 72/69 (-3). Rang drei belegte der Deutsche Bernd Ritthammer nach Runden von 72/70 (-2). Marcel Haremza, der drei Tage zuvor 32 Jahre alt wurde, hat es am zweiten Tag kalt erwischt. Er kam genervt und völlig durchnässt von der Runde. Am ersten Tag noch mit einer 71er Runde unter den Top 10, notierte er eine 77(+5) ? er gehörte zu den Gruppen, welche mehr als sechs Stunden unterwegs waren. Fünf über Par auf den letzten neun Löchern, damit fiel er aus der Spitzengruppe. Alles in allem wurde aber sehr gutes Golf gespielt, auch wenn nur sieben der 46 Spieler, die in die Finalrunde eingezogen waren, unter Par lagen. Insgesamt hatten 23 deutsche Profis den Cut, der bei +7 lag, geschafft. Turnierdirektor Kariem Baraka zog nach zwei Tagen ein treffendes Fazit: ?Die Jungs haben bei den widrigen Bedingungen tapfer gekämpft.? Drei Wochen lang regierte an der türkischen Riviera der antike Regen- und Windgott Baal, der später in der Mythologie zum Gott der Fruchtbarkeit mutierte. Dies wirkte sich auch auf die Finalrunde aus. ?Endlich einmal ein Golftag mit guten Bedingungen?, war der Tenor der 48 verbliebenen Spieler, die um ein Gesamtpreisgeld von ?30.000,-- kämpften. 14 Grad Lufttemperatur und ein leichter Wind von gerade einmal 11 km/h sorgten für nahezu ideale Bedingungen. Zu Beginn sah alles danach aus, dass Max Kramer das Rennen machte, ging er doch mit drei Schlägen Vorsprung in den Finaltag und schrieb gleich zwei Birdies auf den ersten drei Löchern auf seine Scorekarte. Doch er hatte die Rechnung ohne Nicolas Meitinger gemacht. Der Kölner notierte 31 Schläge(-5) auf den ersten neun und schob sich bis auf einen Schlag an Kramer heran, welcher die Löcher eins bis neun nur in 35 Schlägen (-1) bewältigte. Wie heißt es in der Golfersprache so schön? Ein Turnier beginnt erst am Finaltag auf den letzten neun Löchern. So auch bei diesem Turnier. Meitinger lief heiß, spielte Birdie um Birdie und kam mit einer 64 (-8) und einem Gesamtergebnis von neun unter Par ins Clubhaus. Dies wäre der neue Platzrekord gewesen, aber er zählte nicht, denn an drei Löchern wurde der Abschlag aufgrund von Wasserpfützen auf den Fairways nach vorne gesetzt. Jetzt war Max Kramer gefordert, doch an den Löchern 11 und 12 kam schon das Aus für ihn. Mit einem desaströsen Triple-Bogey und einem Bogey an diesen beiden Löchern wurde es am Ende nur eine 76 (+4) und der geteilte fünfte Platz. Platz zwei teilten sich der Ire Stephen Grant sowie die Deutschen Bernd Ritthammer und Maximilian Glaubert mit fünf unter Par. Nicolas Meitinger gewann sein zweites Turnier hintereinander, nachdem er eine Woche zuvor im ?Montgomerie Papillon Golf Club? sogar mit sechs Schlägen Vorsprung schon siegreich war. Am Ende hatten Turnierdirektor Kariem Baraka und Nicolas Meitinger nur Lob für die Mitarbeiter des Lykia Links Golf Resorts übrig. ?Die Greenkeeper, die Vorcaddies und alle Mitarbeiter des Golf Clubs haben einen hervorragenden Job gemacht. Wir bedanken uns herzlich bei Ihnen und freuen uns schon auf das nächste Jahr,? bekundeten beide bei der Siegerehrung. Eines haben diese Turnierwochen in der Türkei auch gezeigt: Diese Jungs sind hart im nehmen und dazu exzellente Golfer. Echte Sportsgeister, sie kennen kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Drives von bis zu 300 m gegen den Wind, präzise Eisenschläge bei schlechten Bedingungen und ein ausgezeichnetes kurzes Spiel konnte von den wenigen, aber fachkundigen Zuschauern bestaunt werden. ?Solche Schläge sehe ich sonst nur im Fernsehen?, gestand ein golfender Hotelgast, der sich darauf freute, selbst wieder auf den Platz zu gehen und hoffte, beim Zusehen einiges gelernt zu haben. Schade, dass darüber nur sehr, sehr wenig berichtet wird. Diese Jungs hätten eine breitere Öffentlichkeit. (rs)